SoLaWi – Solidarische Ernährung mit Ursprung in Schleswig-Holstein

„Die Lebensmittel verlieren ihren Preis und erhalten so ihren Wert zurück“, so fasst es Wolfgang Stränz vom Buschberghof zusammen. Das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft ist in unserer komplexen Zeit der multiplen Krisen bestechend einfach: Mitglieder einer Solidarischen Landwirtschaft tragen gemeinschaftlich die Kosten und die Risiken des Betriebs, im Gegenzug erhalten sie den Ernteertrag. Solidarische Landwirtschaft – kurz: SoLaWi – bietet in Zeiten verschwindend geringer Gewinne für vor allem kleine landwirtschaftliche Betriebe die Sicherheit eines planbaren Einkommens. Verbraucher*innen  können mit dem solidarischen Prinzip aus dem Markt ausbrechen und sich gemeinsam mit lokalen Bauernhöfen selbst versorgen. So machen sich ein Stück unabhängig von der Preispolitik großer Supermarktketten und Lebensmittelgroßhändler. Schon aufgrund der Logik des Prinzips aber auch aus ideologischen Gründen kommen die Lebensmittel direkt aus der Region und sind nur saisonal verfügbar, häufig zusätzlich auch in bester Bio-Qualität angebaut.

Weitere Erläuterungen dazu, was solidarische Landwirtschaft ist und wie sie funktioniert, gibt es im Erklärvideo des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft.

Bild: Netzwerk Solidarische Landwirtschaft / Kattendorfer Hof

Die solidarische Landwirtschaft hat ihren Ursprung in den 1960er Jahren in Japan. Ein Jahrzehnt später wurde sie auch in der Schweiz umgesetzt. Die Kooperative „Les Jardins De Cocagne“ gründete die erste SoLaWi in Europa, die auch als solche bezeichnet wurde. Auch in den USA fand das Prinzip der „Communty Supported Aggriculture“ (CSA) Anklang. In Deutschland ist die Geschichte der SoLaWi fest mit Schleswig-Holstein verbunden, da die beiden ersten solidarischen Hofgemeinschaften Deutschlands in diesem Bundesland entstanden. Mit dem Kattendorfer Hof (in Kattendorf bei Kaltenkirchen) seit den 1980er Jahren und den Buschberghof seit 1988 (Fuhlenhagen, westlich von Hamburg) startete die solidarische Bewegung in SH. Beide Betriebe entwickeln sich stetig weiter und haben Bildungsangebote und soziale Konzepte ins Leben gerufen. So wirtschaftet der Buschberghof biologisch-dynamisch, verfügt über eine eigene Meierei und Backstube und bietet eine Nutztier-Arche sowie eine sozialtherapeutisch begleitete Lebens- und Arbeitsgemeinschaft für Menschen mit verschiedenen psychischen und seelischen Erkrankungen oder Behinderungen. Der Demeter-Betrieb Kattendorfer Hof bietet eine Vielzahl an Hofläden in der näheren Umgebung an und beliefert eigens dafür gegründete „Food Coops“ in den umliegenden Orten.

Heute gibt es Formen der solidarischen Landwirtschaft überall auf der Welt. Europaweit waren es 2015 bereits über 6.300 Betriebe mit über 1 Mio Mitgliedern, heute dürften es deutlich mehr sein. Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft listet aktuell 410 SoLaWis in Deutschland plus 98 in Gründung (Stand 27.09.2022). In Schleswig-Holstein sind aktuell 16 SoLaWis gelistet sowie 6 weitere in Gründung. 2011 zählte das Netzwerk deutschlandweit nur 12 Betriebe, im Mai 2019 waren es bereits 244. Mit nun über 400 hat sich die Zahl der solidarischen Betriebe in den letzten dreieinhalb Jahren fast verdoppelt, Tendenz weiter steigend.

Solidarische Ernährung und die Unterstützung lokaler Bio-Bauernhöfe liegt also im Trend. Dieser Aufschwung macht Hoffnung. Eine nachhaltige, gemeinschaftliche Versorgung mit ökologisch angebauten Lebensmitteln ist möglich und wir an vielen Orten in Deutschland bereits gelebt! Du möchtest Teil einer SoLaWi in deiner Nähe werden? Dann schau auf der Karte des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft vorbei! Auch Lebensmittelkooperativen oder Food-Coops können eine tolle Möglichkeit sein, Lebensmittel gemeinschaftlich zu beziehen.

Es gibt in deiner Umgebung noch keine SoLaWi? Dann gründet eine! Hilfreiche Hinweise, Kontakte und einen Leitfaden dazu findet ihr in unserer Werkstatt im Baukasten. Auch bei unserem digitalen Community-Klönschnack „Solidarisch isst es sich besser“ am 11.10.2022 ab 19 Uhr dreht sich alles um gemeinschaftliche Lösungen zur klimafreundlichen Ernährung. Stefanie Schulze-Schleithoff vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft berichtet von ihren Erfahrungen und steht euch Rede und Antwort zu Euren Fragen rund um SoLaWis & Co.

Und auch in unserer ersten Podcast Folge geht es um Solidarische Landwirtschaft. Hört mal rein!

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Quellen:

Netzwerk Solidarische Landwirtschaft – Liste der SoLaWis

Landwirtschaftskammer NRW

Websites Buschberghof & Kattendorfer Hof

Studie zu Solidarischer Landwirtschaft von der AG SoLaWi an der Goethe Universität Frankfurt (2013) 

bewirk, ausgezeichnet! Als Projekt Nachhaltigkeit 2022

Wir haben gewonnen! Die Initiative bewirk ist stolze Preisträgerin des Projekt Nachhaltigkeit 2022, dem Wettbewerb für Zukunftsgestaltung mit Leidenschaft, in der Kategorie N – Jetzt & Vor Ort. Der Nachhaltigkeitspreis wird seit 5 Jahren von den vier Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) unter dem Dach des Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit verliehen.

In der Kategorie N wurden Menschen gesucht, die den Nachhaltigkeitsgedanken leben, anpacken und vor Ort Initiative zeigen, um globale Herausforderungen auf regionaler und lokaler Ebene zu lösen. bewirk ist eines von 4 ausgezeichneten Projekten aus der Kategorie N, die im Raum von RENN Nord vergeben wurden. Weitere Preisträger*innen waren das digitale Bildungsprogramm rund um Digitalisierung für Lehrer*innen Technucation@School aus Hamburg, das nachbarschaftliche und ökologische Bau- und Wohnprojekt Queerbeet in Lüneburg und Jonte Mae aus Bremen mit seinen Naturschutz2Go Blumensamenautomaten. Herzlichen Glückwunsch auch an diese tollen Projekte!

Am Freitag, den 16. September 2022, durften wir im Wälderhaus in Hamburg den Preis entgegen nehmen. Außerdem gab es bei der Vernissage zur Ausstellung COALSCAPES beeindruckende Drohnen-Fotografien von Julius Schrank, Lucas Wahl und Florian Manz rund um ökologische und soziale Veränderungen in Kohlerevieren zu sehen. Die Ausstellung kann noch bis Januar 2023 im Wälderhaus besucht werden. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine spannende Panel-Diskussion rund um „Suffizienz-Strategien für Hamburg.

Es ist schön, dass unsere Arbeit unter dem Motto „Jetzt & Vor Ort“ ausgezeichnet wurde. Das zeigt uns, dass wir einen richtigen Ansatz gewählt haben, um Engagierte in Schleswig-Holstein zu unterstützen, und sie ins Handeln zu bringen. Das Team freut sich sehr über diesen Preis und teilt die Auszeichnung gern mit allen Ehrenamtlichen und Bewirker*innen, die sich in ihren Gemeinden vor Ort fürs Klima stark machen und aktiv werden!

Wir danken auch unseren Kooperationspartner*innen für die Unterstützung und der Deutschen Postcode Lotterie für die großzügige Förderung, ohne die es „bewirk – Gemeinsam fürs Klima“ nicht geben würde.

Ab September gibt’s bewirk auch auf die Ohren!

Es kommt etwas Großes auf euch zu: unser Podcast „bewirk was“ kommt!

Mit dabei sind viele tolle Projekte zum Nachmachen! Unsere Bewirker*innen erzählen euch, was es braucht um das eigene, nachhaltige Projekt zu starten.

Wir freuen uns schon auf die vielen spannenden Geschichten rund um den Klimaschutz von Mobilität über Konsum und Ernährung bis hin zu Energiewende. Hier ist für alle was dabei!

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Falls ihr schon etwas stöbern wollt, in unserer Schule findet ihr bereits viele spannende Projekte zu den einzelnen Themenbereichen!

 

Werde Teil des bewirk Teams – Praktikant*in gesucht!

Banner auf hellblauem Hintergrund. Text: Bewirk sucht Verstärkung! Du interessierst dich für Themen rund um Klimaschutz und möchtest Menschen motivieren etwas zu verändern? Dann werde Teil unseres Teams! Wir suchen eine*n Praktikant*in von September-November 2022. Für Veranstaltungen & unseren neuen Podcast! Logos: Heinrich Böll Stiftung SH (unten links) und bewirk. Gemeinsam fürs Klima (unten rechts)

Du interessierst dich für Themen rund um Klimaschutz und möchtest Menschen motivieren etwas zu verändern? Dann werde Teil unseres Teams! Wir suchen eine/n Praktikant*in als Unterstützung für unser bewirk-Team im Zeitraum 01.09.-31.11.22!

Zu unserem Projekt: 

„Bewirk – Gemeinsam fürs Klima“ aktiviert die Bürger*innen in Schleswig-Holstein Klimaschutz in der eigenen Gemeinde oder Nachbarschaft gemeinsam anzugehen. Mit einer Lernwelt und guten Beispielen zum Nachmachen gibt die Initiative Bürger*innen das nötige Werkszeug dazu an die Hand. Veranstaltungen vor Ort, aktivierende Werkstätten, kollegiale Beratung und ein landesweites Netzwerk unterstützen sie dabei, eine lokale Klima-Gruppe aufzubauen. Für bewirk haben sich sechs Bildungsträger*innen aus Schleswig-Holstein zusammengeschlossen. Die Umsetzung erfolgt durch die Heinrich-Böll-Stiftung SH. Weitere Infos zum Projekt: bewirk.sh

Was erwartet dich? 

Für die zweite Jahreshälfte haben wir einiges vor! Von der Planung und Durchführung von Veranstaltungen vor Ort über die Konzeption und Aufnahme unseres neuen Podcasts bis hin zu Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit kannst du dich aktiv mit einbringen.

Was solltest du mitbringen? 

  • Lust auf die Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und die Aktivierung von Bürger*innen vor Ort
  • Eigeninitiative , selbstständiges Arbeiten und Kontaktfreude
  • Die Bereitschaft, an Veranstaltungen vor Ort und an Abendveranstaltungen teilzunehmen
  • Erfahrung mit der Planung und Aufnahme von Podcasts
  • Kenntnisse in Ton- & Schnittprogrammen (audacity und studiolink) o.ä. sind von Vorteil

Wie bewirbst du dich? 

Für deine Bewerbung per E-Mail reichen ein kurzes Motivationsschreiben und ein Lebenslauf.
Kontakt: Maura Rafelt | rafelt@boell-sh.de

Bitte bewirb dich ohne ein Foto. Wir arbeiten daran, unsere Räume und Arbeitsbereiche diskriminierungskritisch zu gestalten. Wir begrüßen Bewerbungen von Personen unabhängig von kultureller und sozialer Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion, Weltanschauung, Behinderung oder sexueller Orientierung. Bei gleicher Qualifizierung werden wir im Bewerbungsprozess Personen bevorzugen, die strukturelle Diskriminierungserfahrungen machen. Wenn du dazu Angaben in deiner Bewerbung machen kannst, fällt uns eine Bearbeitung der Bewerbungen leichter.

 

 

Unsere 1. Ideenwerkstatt in Sankt Peter-Ording – ein Rückblick

Wir waren mit unserer ersten Klimawende-Werkstatt in St. Peter-Ording! Die Veranstaltung lief unter der Frage: Was können wir gemeinschaftlich tun, um uns über den Einsatz erneuerbarer Energien zukunftsfähiger aufzustellen und etwas für die notwendige Energiewende zu tun? Gemeinsam mit Experten von EnergieManufaktur Nord und der BürgerSolarBeratung aus Hürup entwickelten 10 engagierte St. Peterianer*innen am 17. Juni in einem angeleiteten Workshop konkrete Ideen für die kommunale Energie- und Klimawende in ihrer Gemeinde.

Dipl.Ing. Peter Bielenberg von der „EnergieManufaktur Nord“ hielt einen Vortrag über die Möglichkeiten des Einsatzes erneuerbarer Energien im Bestand vor Ort und die zahlreichen zur Verfügung stehenden Fördermittel. Er unterstrich, Gemeinwohl sei das Rezept für die Zukunftsfähigkeit von Gemeinden und die Hauptzutat gemeinschaftliches Handeln zum Wohle unserer Mitmenschen und Umwelt. Praktische Tipps rund um das Thema Photovoltaik und das Projekt BürgerSolarBeratung gab es von Christoph Thomsen von „Boben op Klima- und Energiewende e.V.“ aus Hürup. Der Verein besteht ausschließlich aus ehrenamtlichen Bürger*innen und lebt gemeinschaftliche Klimawende mit vielen erfolgreichen Projekten vor.

„Es war ein sehr inspirierender und motivierender Abend mit vielen praktischen Tipps und Anregungen für die nächsten Schritte Richtung kommunaler Energie- und Klimawende in SPO,“ sagt Teilnehmer Ralf Otzen aus St. Peter Dorf. Einige Ideen, wie eine BürgerSolarBeratung für St. Peter-Ording und die Identifikation von großen öffentlichen Verbrauchern für ein mögliches Wärmenetz, werden nun vor Ort weiterverfolgt. bewirk unterstützt sie dabei mit zahlreichen Angeboten, wie einer Projektberatung und einem Aktionsfonds. Ihr möchtet dabei sein? Dann melden Euch sich gern bei Andrea Gummert-Weist und Hagen Goetz vor Ort (E-Mail an vorstand@gruene-spo.de) oder schreibt an bewirk@boell-sh.de und wir vernetzen Euch mit Engagierten in Eurer Gemeinde!

Die bewirk Veranstaltungen in St. Peter-Ording finden auf Initiative der Grünen SPO und mit freundlicher Unterstützung des Strandgut Resorts statt.

Ihr möchtet eine Klima-Aktion in Eurer Gemeinde starten? Wir kommen mit bewirk auch zu Euch vor Ort und unterstützen Euch dabei. Schreibt uns einfach eine Mail!

Wie wir unsere Geschichten neu erzählen müssen.

Klima-Kommunikation mit Torsten Schäfer

Klimakatastrophe mit gutem Ausgang? Manchmal fällt es schwer sich eine Zukunft ohne ökologischen Kollaps vorzustellen – doch das muss sich ändern, findet Dr. Torsten Schäfer. Als Professor für Journalismus und Textproduktion an der Uni Darmstadt, forscht er mit seinen Studierenden zu dem, was er spielerisch die „Sprache des Klimawandels“ nennt. Gemeint sind Techniken und Kommunikationsarten für Medienschaffende, die ein Bewusstsein für nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel schaffen sollen.

„Nachhaltigkeit ist eine Dimension, die sich über alles legt.“

„Die Art wie wir Einzelthemen im Haus der Nachhaltigkeit betrachten, muss angereichert und um viele Perspektiven erweitert werden“ so Schäfer. Die Berichterstattung zum Thema Klimawandel und Artensterben gehe häufig von überholten Modellen aus. So wird beispielsweise das Modell des „Nachhaltigkeits-Dreiecks“, in dem Umwelt, Soziales und Wirtschaft gleichberechtigt erscheinen, teilweise heute noch nachkommenden Journalist*innen gelehrt. Dies sei falsch, veraltet und im Prinzip sogar gefährlich. Woran das liegt wird er nicht müde zu erklären: dem Erdhaushalt sind planetare Belastungsgrenzen gesetzt und diese sind in bestimmten Bereichen bereits katastrophal, in anderen zumindest kritisch belastet. Moderne Modelle nehmen eben diese Grenzen als Bezugsraum: nur unterhalb dieser ökologische Decke kann Raum für wirtschaftliches und soziales Handeln existieren. Darüber eben nicht, weil es der Planet schlichtweg nicht zulässt. Das sei die Maßgabe heute. Davon ausgehend muss sich auch die Klimaberichterstattung anpassen.

„Unsere Narrative müssen sich verändern.“

Der Mensch erzählt sich als soziales Wesen seit Beginn seines Seins gegenseitig Geschichten. Selbst steinzeitliche Höhlenmalereien seien nicht anderes als das, was heute Storytelling genannt wird, so Schäfer. Nicht selten steckt in diesen weitergereichten Geschichten eine Botschaft, ein sog. Narrativ, die im besten Falle ihren Zuhörer vor etwas Schädlichem bewahren soll.

So harmlos die Vorstellung einer kleinen Geschichte, die sich Menschen erzählen auch ist, so immens können ihre Folgen sein. Nicht selten unterstützen verhärtete Narrative Vorurteile, Angst und sind mindestens mit Vorsicht zu betrachten. Wie nun umgehen, mit einem Klimanarrativ, das zeitweilig zwischen dem raschen Ende allen Lebens und der totalen Klimawandelleugnung schwankt? Die Antwort liegt laut Dr. Schäfer in der „Klimapsychologie“.

Alarmismus vs. Tacheles

„Die menschliche Wahrnehmung ist nicht im Stande das Klima als 30-Jahre-Mittelwert zu spüren“, sagt Torsten Schäfer. Menschen können nur begreifen, was sie greifen können und demnach wird die Klimakrise nicht vom Schreibtisch aus verstanden. Wie kann eine Bedrohung nahegelegt werden, die naturgemäß nicht nahe liegt? Es reiche nicht aus Alarm zu schlagen und Menschen, mit der im besten Falle empirisch-wissenschaftlichen Datenmenge einer nahenden Katastrophe, zu überfordern. Der weltweite Klimawandel wird in Deutschland vergleichsweise spät zu spüren sein, weshalb ein Alltagsbezug für Viele gleichermaßen spät einsetzen wird. Auch ist ihre supranationale Natur schwer zuzuordnen (wie im Alleingang die Welt retten?) und gut gemeinte Apelle treffen aufgrund ihres erhobenen-Zeigefingercharakters gerne auf Ablehnung.

Hier sieht Schäfer einen Ansatzpunkt und wünscht sich eine Kommunikation, die von Vorbildern spricht, statt den Schuldigen zu suchen. Menschen müssen verstehen, dass es um einen Gewinn an Lebensqualität gehen kann, nicht nur um Verzicht. Wir müssen Lösungen, Erfolge und Möglichkeiten in den Fokus unserer Kommunikation setzen, nur so kann vermittelt werden, welch enormes Potential sich aus einem verhinderten Klimakollaps ergeben kann. Wenn wir schaffen eine Geschichte über eine wünschenswerte Zukunft zu schreiben, kommen wir ihr gesamtgesellschaftlich gewiss ein Stückchen näher. Der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl eines Jenen, der die Geschichtenschreiber von morgen ausbildet, lässt Gutes hoffen.

Wer sich den Vortrag von Torsten Schäfer zum Thema „Klimageschichten als kulturelles Instrument“ anschauen möchte, kann das ab jetzt HIER in unserem bewirk Kino. Hier findet ihr neben diesem erstklassigen Vortrag noch viele weitere spannende Impulse aus unserer Webinarreihe „bewirk – Gemeinsam fürs Klima“. Reinschauen lohnt sich!

Text von Hendrik Hunfeld

Wenn schon Wind, dann Bürger*innen-Windparks

Windenergie ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Aber wie können wir als Bürger*innen daran teilhaben? Eine Lösung sind sogenannte Bürger*innen-Windparks. Diese Windparks werden „von den Bürger[*innen] der Region selbst in Form einer Gesellschaft betrieben“ (EE.SH, 2019). Möglichst alle betroffenen Anwohner*innen sollen beteiligt werden. Bürger*innen-Windparks tragen zu einem gerechten Ausbau der erneuerbaren Energien bei und ermöglichen den Bezug von lokalem grünem Strom.

Diese Art von Windparks sind häufig genossenschaftlich organisiert. In Schleswig-Holstein gibt es dazu schon einige Erfolgsgeschichten. Laut EE.SH haben beispielsweise in Nordfriesland die Anwohner*innen der umliegenden Gemeinden Anteile an bereits über 90 Prozent der Windparks. Auch wenn z.B. langwierige Genehmigungsprozess Hürden darstellen können, setzt sich das Konzept immer mehr durch. Meist sind die Gesellschaften direkt am Gemeinwohl in der Gemeinde orientiert.  Ein Beispiel ist der Bürger*innen-Windpark Süderdeich, dessen Stiftung „Kinder des Windes“ soziales Engagement für die Region leistet.

Dich interessiert das Thema? Du möchtest dich in deiner Gemeinde für einen Bürger*innen-Windpark einsetzen? Dann komm mit deinen Fragen am 10.05. von 19 bis 20.30 Uhr zu unserem digitalen Community-Klönschnack „Wenn schon Wind, dann ein Bürger*innen-Windpark“ mit dem Bürgerwindpark Süderdeich und Rechtsanwältin Frederike Wriedt. Wir bitten um Voranmeldung an bewirk@boell-sh.

Was bedeutet lokaler Klimaschutz für uns?

Das Klima der Erde verändert sich in den letzten Jahrzehnten sehr schnell. Ursache für diesen beschleunigten Klimawandel sind zum großen Teil wir Menschen. Durch unsere Lebensweise stoßen wir sehr viel mehr Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan und Lachgas aus, als vor der Industrialisierung. Das führt zur globalen Erderwärmung. Und diese wirkt sich in unterschiedlichen Bereichen aus: der Meeresspiegel steigt, es gibt Hitzewellen und Dürren, Starkregen und Überschwemmungen, Krankheiten breiten sich anders aus, die Jahreszeiten verschieben sich, und noch vieles mehr.

Damit diese Folgen des Klimawandels nicht zu drastisch werden, müssen wir das Klima schützen. Das heißt, wir müssen vor allem darauf schauen, den Ausstoß der Treibhausgase einzudämmen. Das geht am besten dort, wo man lebt – also vor Ort – und in Gemeinschaft. Deswegen ist es uns wichtig, Klimaschutz nicht nur als globales Thema und politische Verantwortung „der da oben“ zu verstehen. Wir alle können für den Klimaschutz direkt vor unserer Haustür aktiv werden. Deswegen heißt es bei uns: Gemeinsam fürs Klima!

Nach der Webinarreihe geht‘s weiter mit Netzwerktreffen

 

Vor zwei Jahren fand das letzte Netzwerktreffen der Energiebürger.SH statt. Damit das Netzwerk aktiv bleibt und wachsen kann, gibt es zum Abschluss unserer erfolgreichen Webinarreihe am 1.3. um 19 Uhr einen Klönschnack.

Dort habt ihr endlich wieder Gelegenheit, euch auszutauschen, gegenseitig zu beraten und zu vernetzen. Mit dabei sind Wilhelm Borcherding und Brigitte Petersen des Bürgerwindparks Süderdeich und der dazugehörigen Stiftung „Kinder des Windes“. Sie haben in Süderdeich einen Bürgerwindpark gegründet und vermarkten ihren grünen, regionalen TOP-Strom. Die Gewinne, die mit der Windenergie erzielt werden, fließen in gemeinnützige Projekte der Stiftung, so dass alle vor Ort profitieren. Die Stiftung Kinder des Windes fördert Jugend, Bildung und Erziehung in der Region Wesselburen und Umland, sowie in Heide und Büsum. Damit gelingt es ihnen, Bürger*innen für die Ideen einer Energiewende zu mobilisieren. Weitere Erfahrungen, Tipps und Ideen werden sie beim Klönschnack mit uns teilen.

Der Klönschnack ist offen für alle Interessierten und wird online über Zoom stattfinden. Wir bitten um Voranmeldung an bewirk@boell-sh.de.

Auftakt zur Webinarreihe: bewirk – Wir gemeinsam vor Ort fürs Klima!

Viele Video-Kacheln auf einem bunten Hintergrund. Unten links eine Schatztruhe. Bewirk Logo und Text: Webinare getartet

Gut gelaunt und mit großem Interesse der Teilnehmenden begann am Dienstag, 18.01.2022, die sechsteilige Webinarreihe: bewirk – Wir gemeinsam vor Ort fürs Klima!

Zum Auftakt fanden knapp 35 Teilnehmer*innen den Weg in den virtuellen Seminarraum und wie eine kurze Umfrage zu Beginn ergab, durften wir auch viele Teilnehmenden begrüßen, die Mittel- und Süddeutschland ihr zu Hause nennen. Eine kleine aber willkommene Überraschung, bedenkt man den Ursprung des bewirk – Projekts: die Energiebürger Schleswig-Holstein.

Ziel der Reihe ist es die Rahmenbedingungen für Bürgerenergie in Deutschland kennenzulernen und damit verbunden die Chancen und Hemmnisse für eine Realisierung vor Ort einschätzen zu können. Die Lust auf „das wollen wir auch“ zu stärken und die Erkenntnis „das können wir auch“ zu entwickeln ist dabei das Hauptaugenmerk.

Dr. Tobias Bayr, Mitarbeiter des Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) und aktiv bei „Scientists for Future“, hielt das erste Impulsreferat und brachte die Teilnehmer auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Forschung im Bereich Klimawandel. Insbesondere der Blick auf mögliche Kipppunkte des globalen Klimas und auf die immer kürzer werdenden Zeitachsen des möglichen Gegensteuerns verdeutlichten einmal mehr die Dringlichkeit der Aufgabe vor der die Menschheit steht. Ein notwendiger, aber Angesichts der Größe der Aufgabe auch ein durchaus bedrohlicher und einschüchternder Ausblick. Daher wurde die den Vortrag abschließende Rezitation von Konfuzius durch Dr. Bayr auch von vielen Teilnehmenden mit Dankbarkeit aufgenommen: „Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.“

Dr. Kerrin Trimpler von der Klimaschutzagentur (gGmbH) des Kreises Rendsburg-Eckernförde stand nun vor der Aufgabe zu zeigen, wie man vor Ort dieses kleine Licht anzünden kann. Sie den Teilnehmenden näher mit welchen Initiativen Bund, Länder und speziell die Kommunen den Klimaschutz unterstützen und voranbringen. Durch den Einblick in die Arbeit der Kommunen und dem Vorstellen von bereits erfolgten Projekten, veranschaulichte Dr. Trimpler, dass der Schritt zum eigenen, lokalen Klimaprojekt kleiner ist, als es auf den ersten Blick vermeintlich erscheinen mag. Außerdem gibt es viel Hilfe für diejenigen , die danach suchen.

Danach (und begleitend im Chat) war Zeit für die Teilnehmer*innen des Seminars ihre Fragen an die Referent*innen zu stellen. Angeleitet durch die charmante und souveräne Moderation von Doris Lorenz, kam es so schnell zu einem regen Austausch zwischen Referent*innen und Teilnehmenden, sowie den Teilnehmer*innen untereinander. Dieser Austausch wurde später fortgesetzt und vertieft, als die Teilnehmenden in zufällige, kleine Gruppen gewürfelt wurden. Die Möglichkeit sich auch in einem etwas kleineren Rahmen auszutauschen und auch kennen zu lernen wurde von vielen Teilnehmenden mit Freude genutzt und die zugewiesene Zeit als eher zu kurz als zu lang wahrgenommen.

So gingen die zwei Stunden auch schnell vorbei und angesichts der vielen spontanen und vor allem positiven Rückmeldungen kann von einem rundherum gelungenen Abend gesprochen werden.

In den folgenden Webinaren wird dann weiter vertieft werden, was für den Aufbau von lokalen Klimaschutzprojekten gebraucht wird, wie man sie in Angriff nimmt und bestenfalls zu dauerhaften Institutionen vor Ort macht, von denen alle ,nicht nur das Klima, profitieren.

Alle, die jetzt gern selbst an den Webinaren teilnehmen würden, sind herzlich willkommen sich für unser digitales Wochenendseminar „bewirk – Wir gemeinsam vor Ort fürs Klima!“ anzumelden! Am 26. und 27. März 2022 finden die kostenlosen Webinare jeweils von 10 bis 18 Uhr statt, mit denselben Themen und Impulsgeber*innen. Weitere Informationen gibt es hier.

Text von David Manthey

Wir verabschieden uns als „Energiebürger.SH“

…und sagen Moin! als „bewirk – Gemeinsam fürs Klima“. Zwei Beweggründe haben uns dazu veranlasst, uns von dem liebgewonnenen Namen und Logo der „Energiebürger.SH“ zu verabschieden: Zum einen wollen wir gendergerechter werden und zum anderen wollen wir den Klimaschutz vordergründig nicht länger auf die Energiewende verkürzen. Jetzt sind wir die Initiative „bewirk – Gemeinsam fürs Klima“ und freuen uns über neue und alte Mitstreiter*innen. Alles, was bisher auf der energiebuerger.sh-Webseite war, findet ihr nun hier auf der neuen bewirk.sh-Webseite.

Das Handbuch „Klimaschutz Schleswig-Holstein“ ist da!

Um die regionalen Besonderheiten und notwendigen individuellen Maßnahmen zu adressieren, haben wir als Heinrich-Böll-Stiftung SH gemeinsam mit Mehr Demokratie Schleswig-Holstein das Handbuch „Klimaschutz Schleswig-Holstein“ herausgegeben. Das Handbuch bietet einen umfangreichen und anschaulich gestalteten Einblick über die Möglichkeiten, wie das Bundesland zum Erreichen des 1,5 Grad Ziels beitragen kann. Es werden sowohl die Ausgangslage als auch die Rahmenbedingungen beleuchtet und daran anschließend die Maßnahmen für einzelne Bereiche wie Landwirtschaft oder Energieversorgung vorgestellt, die nötig sind, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Für Schleswig-Holstein spielen hier besonders die Landwirtschaft und die Bodennutzung eine Rolle, die gemeinsam für 32% der Emissionen verantwortlich sind. Das Handbuch zeigt übergreifende Maßnahmen auf und ermöglicht so einen umfassenden Überblick über die notwendigen Schritte im Bereich Klimaschutz im regionalen, bundesweiten und nationenübergreifenden Kontext.