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Unsere Klönschnacks – Informieren, vernetzen, umsetzen

Logo mit Sonne, Sprech- und Gedankenblase, Text: bewirk Community Klönschnack Am 10.01.2023, starteten wir frisch ins neue Jahr wieder mit unserem Community-Klönschnack. Dieses Mal mit vielen Ideen und Projekten zum Nachmachen und Tipps und Tricks für die eigene Umsetzung. So konnten sich auch die rund 20 Teilnehmer*innen inspirieren lassen von den verschiedenen Projekten, sich austauschen und gegenseitig beraten.

Viele Projekte wurden vorgestellt. Die kostenlose Lastenradverleihe „Fjordbeweger“ in Flensburg oder in Itzehoe dienten als ein Beispiel, um Mobilität nachhaltiger zu gestalten. Die Idee eines Leihladens zielt auf den nachhaltigen Konsum und die Möglichkeit ab, bestimmte Dinge wie Werkzeug, Geräte oder Campingausrüstung, nicht immer neu kaufen zu müssen.

Im Mittelpunkt des Austauschs des Klönschnacks stand jedoch die BürgerSolarBeratung. Hier haben wir „BobenOp“ (Klima- und Energiewende e.V.) vorgestellt sowie andere Initiativen in Henstedt-Ulzburg, Quarnbek und Flintbek. Es gab nicht nur einige Fragen, sondern auch Angebote zur kollegialen Beratung untereinander. Durch eigene Kenntnisse und Erfahrungen konnten sich die Teilnehmer*innen austauschen und auch direkt vernetzen. So wurden neue Möglichkeiten geschaffen, zusammen die bürgerliche Energiewende in Schleswig-Holstein voranzutreiben.

Doch auch Projekte im kleineren Rahmen, wie eine (Kleider-)Tauschparty bleiben bei uns nicht unbemerkt. Sie sind nicht nur leichter in der Umsetzung, sondern motivieren auch andere Neugierige sich mehr aktiv am Klimaschutz zu beteiligen.

Doch was sind unsere Klönschnacks eigentlich?

Unsere digitalen Klönschnacks finden immer am zweiten Dienstag im Monat, um 19.00 Uhr statt. Hierbei laden wir unsere Community ein, sich über ein bestimmtes Thema zu informieren und untereinander auszutauschen. Von klimafreundlicher Ernährung über bürgerliche Energiewende bis hinzu „Leihen und Tauschen statt kaufen“ ist alles dabei und wir freuen uns auch zukünftig auf spannende Themen.

In der Regel laden wir ein bis zwei Gäste ein, die entweder fachliche Expert*innen sind oder selbst schon Projekte in dem Themenbereich erfolgreich umgesetzt haben. Neben den spannenden Vorträgen und den Erfahrungen, die von ihnen geteilt werden, ist uns Euer Austausch jedoch besonders wichtig. Wir möchten einen Raum schaffen, in dem ihr euch gegenseitig von Euren Projekten oder Beispielen erzählt, Eure Ideen austauscht und euch gegenseitig beratet. Die Klönschnacks sollen euch vernetzen und ein „Miteinander“ schaffen.

Was erwartet Euch bei den nächsten Klönschnacks?

Am 14.02.2023 thematisieren wir, was wir als Bürger*innen für den Moorschutz tun können und welche Rolle dabei Wiedervernässung spielt. Moore dienen nicht nur als Lebensraum mit einer besonderen Biodiversität, sondern sind ein wichtiger Kohlenstoffspeicher, weshalb sie für den Klimaschutz von besonderer Bedeutung sind.

Leif Rättig, Berater für den biologischen Klimaschutz von der Stiftung Naturschutz und Bini Schlamann, Referentin für Agrar und Biodiversität vom BUND SH, werden im Februar bei unserem digitalen Klönschnack dabei sein und viele wichtige Fragen rund um das Thema beantworten.

Auch März haben wir schon einen neuen Termin für euch. Am 14.03.2023 widmen wir uns dem Thema Klima- und Naturschutz mit Wald, Agroforst und Co.

Auch hier gilt: Der Klönschnack ist für alle Interessierten offen, die Lust haben uns kennenzulernen und den Klimaschutz vor der Haustür anzupacken. Tauscht euch mit anderen Engagierten aus Schleswig-Holstein aus und werde aktiv für den Klimaschutz von unten. Aktuelle Informationen und die Anmeldung zu unseren Klönschnacks gibt es hier.

Wir freuen uns auf Euch!

Text von Elena Ebert

Lütau auf dem Klimapfad

Außenansicht der Kirche

Die Kirchengemeinde Lütau will klimaneutral werden! Keine ungewöhnliche Aussage in den Zeiten des Klimawandels. Das besondere an der kleinen Gemeinde im Kreis Herzogtum Lauenburg ist, dass sie beim Thema Heizen schon klimaneutral sind. Ende 2022 konnte ein großes Projekt zur autarken und klimafreundlichen Wärmeversorgung in der Kirchengemeinde erfolgreich abgeschlossen werden. Die Kirche St. Dionys und St. Jakobus erhielt eine neue Heizanlage, die nun über das neu gebaute Nahwärmenetz mit klimafreundlicher Energie versorgt wird. Solarthermie und ein Heizwerk, das mit Holz aus der eigenen Knickpflege betrieben werden soll, wärmen nun die Kirche, das Pastorat und den Gemeindekindergarten. Und das vollständig unabhängig von Fernwärme und Gaspreisen. Auch der Anschluss weiterer Gebäude wäre denkbar.

Solarthermie Anlage der Kirchengemeinde Lütau

Solarthermie-Anlage in Lütau

Durch die Umstellung der Beheizung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien wird eine Verringerung der Treibhausgasemissionen um rund 80 Prozent erwartet, konkret 32 Tonnen CO2 pro Jahr (Herzogtum Direkt, 2020).

Person vor einer Infotafel des Lütauer Klimapfades

Aber damit nicht genug: Als Teil des Projekts wurde auch der Lütauer Klimapfad installiert. Viele bunte und schön gestaltete Tafeln erklären, wie das klimafreundliche Nahwärmenetz funktioniert und warum das wichtig ist. Inklusive “Kinder-Ebene”: Der untere Teil beschreibt kinderfreundlich mit Bildern das Thema klimaneutral Heizen – und zwar direkt auf Augenhöhe der Kleinsten. So entsteht nicht nur ein vorbildliches Klimaprojekt sondern auch ein spannedes neues Bildungsangebot für Kindergärten und Schulen in der Region.  Zusätzlich wird es im Pastorat noch einen “Schulraum” geben, wo die Kleinen und ältere Schüler*innen die Wichtigkeit der Knicks für die Tierwelt und uns Menschen und die Funktion der Nahwärme kennenlernen (Gemeindebrief Lütau, Sep-Nov 2022). Aber auch alle Besucher*innen und Pilger*innen in sind in Lütau herzlich eingeladen, auf dem Klimapfad zu wandeln.

Blockheizhaus in LütauFür das neue Nahwärmenetz mit klimafreundlicher Energie aus Sonne und Biomasse wurde ein modernes Heizhaus gebaut und die Fassade ansprechend gestaltet. Der Hackschnitzel-Ofen im Heizhaus kommt dabei nur an besonders bewölkten oder kalten Tagen zum Einsatz. Sonst wird laut Michael Eggers, Vorsitzender des Kirchengemeinderates Lütau, der gesamte Warmwasser- und Heizenergiebedarf von der Solarthermie-Anlage vollständig gedeckt. Knicks sind in Schleswig-Holstein sehr verbreitete auf einem Wall wachsende Hecken und Gehölze. Sie haben eine große ökologische Bedeutung und oft eine hohe Biodiversität. Im Rahmen des Naturschutzes müssen Knicks regelmäßig (alle 10-15 Jahre) gepflegt und beschnitten, „auf den Stock gesetzt“ werden. Das daraus gewonnene Holz wird heutzutage oft entsorgt oder verbrannt. In Lütau kann das eigene Knickholz aus den Liegenschaften der Kirche und Umgebung nun energetisch verwertet werden – vor Ort und ohne lange Transportwege.

Holzhackschnitzel zur Verbrennung

Lager für Knickholz Hackschnitzel & Förderschnecke zum Ofen

Innenansicht des Heizhauses

Innenansicht des Heizhauses

In Lütau vor Ort zeigten uns Olaf Dey und Michael Eggers ihr Projekt und führten uns durch die Kirche und das Heizhaus. Die Beiden sind zwei der Hauptkoordinatoren des Projektes, Michael steht ehrenamtlich dem örtlichen Kirchengemeinderat vor. Sie berichten von viel Überzeugungsarbeit und einigen Herausforderungen aber auch viel Unterstützung aus der Gemeinde und Freude über die Fertigstellung. ”Für uns war es ein ganz toller Aufhänger, um über dieses Thema zu sprechen, weil Menschen sind ja nun einmal so: Man spricht gerne über Dinge, die man anfassen oder angucken kann”, sagt Michael Eggers. In Lütau kann man sich nun also Energie- und Wärmewende in live anschauen – für groß und klein erklärt.

Die energetische Sanierung der schönen alten und denkmalgeschützten Kirche stellte die Organisatoren und Handwerker*innen dabei vor einige Herausforderungen. Vor allem mit den hohen Anforderungen des Denkmalschutzamtes galt es einen Umgang zu finden. Auch die Verlegung des Wärmenetzes unter dem alten Friedhof war problematisch. Dieses Problem konnte gemeinsam mit Experten und dem Verfahren der Spülbohrung erfolgreich gelöst werden, ohne dass der Friedhof in irgend einer Form beschädigt wurde.

Innenraum der Kirche St. Dionys und St. Jakobus

Innenansicht der Kirche St. Dionys und St. Jakobus

Ein weiteres Problem stellte die Finanzierung des Großprojektes dar. Über 800.000 Euro mussten her, um klimafreundliches Heizen in Lütau umzusetzen. Dieses erste Projekt seiner Art wurde durch hochmotivierte Mitglieder des Kirchengemeinderates und Ehrenamtler*innen vorangetrieben. Dank ihnen und mit Unterstützung des Umweltbüros der Nordkirche wurde das Projekt als ausgewählte Maßnahme des Klimaschutzmanagements der Nordkirche mit einer höheren Förderung unterstützt. So konnten Olaf Dey und seine Mitstreiter*innen die Finanzierung des Projektes absichern. Die weiteren Kosten teilen sich die Kirchengemeinde, der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, die Nordkirche sowie die EU und das Land. Der beachtliche Eigenanteil war für die kleine Kirchengemeinde eine große Herausforderung, die vor allem auch mithilfe von Spenden der Bürger*innen gemeistert werden konnte.

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Du willst mehr über das Nahwärme-Projekt in Lütau wissen? Dann hör mal rein in unseren Podcast mit Michael Eggers.

Wie geht es nun weiter in Lütau? In naher Zukunft soll noch eine Photovoltaik-Anlage aufgebaut werden, um eigenen Strom zu erzeugen und so den Weg in die Klimaneutralität der Kirchengemeinde zu vollenden. Wir finden: Ein inspirierendes Projekt in einer kleinen Kirchengemeinde mit großer Wirkung – angestoßen, erdacht, begleitet und umgesetzt von Ehrenamtlichen, die sich für Klimaneutralität in ihrer Gemeinde einsetzen. Danke für euer Engagement! Warum nicht mal überlegen, wie Eure Kirche klimafreundlicher beheizt werden könnte?

Text und Bilder: Maura Rafelt
Vielen Dank an Olaf Dey & Michael Eggers für die interessante Führung und Einblicke!

Werde Teil des bewirk Teams – Praktikant*in gesucht!

Du interessierst dich für Themen rund um Klimaschutz und möchtest Menschen motivieren etwas zu verändern? Dann werde Teil unseres Teams! Wir suchen eine/n Praktikant*in als Unterstützung für unser bewirk-Team ab März oder April 2023.

Zu unserem Projekt: 

„Bewirk – Gemeinsam fürs Klima“ aktiviert die Bürger*innen in Schleswig-Holstein Klimaschutz in der eigenen Gemeinde oder Nachbarschaft gemeinsam anzugehen. Mit einer Lernwelt und guten Beispielen zum Nachmachen gibt die Initiative Bürger*innen das nötige Werkszeug dazu an die Hand. Veranstaltungen vor Ort, aktivierende Werkstätten, kollegiale Beratung und ein landesweites Netzwerk unterstützen sie dabei, eine lokale Klima-Gruppe aufzubauen. Für bewirk haben sich sechs Bildungsträger*innen aus Schleswig-Holstein zusammengeschlossen. Die Umsetzung erfolgt durch die Heinrich-Böll-Stiftung SH. Weitere Infos zum Projekt: www.bewirk.sh

Was erwartet dich? 

Wir haben einiges vor! Von der Planung und Durchführung von Veranstaltungen vor Ort und Vernetzung von aktiven Bürger*innen bis hin zur Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit, dem Schreiben von Blogartikeln für unsere Website oder der Gestaltung der Social Media-Kanäle, kannst du dich aktiv mit einbringen.

Was solltest du mitbringen? 

  • Lust auf die Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und die Aktivierung von Bürger*innen vor Ort
  • Eigeninitiative , selbstständiges Arbeiten und Kontaktfreude
  • Die Bereitschaft, an Veranstaltungen vor Ort und an Abendveranstaltungen teilzunehmen
  • Erfahrungen mit Social-Media (Instagram & Facebook) und Spaß an der kreativen Gestaltung von Inhalten

Wie bewirbst du dich? 

Für deine Bewerbung per E-Mail reichen ein kurzes Motivationsschreiben und ein Lebenslauf.
Kontakt: Maura Rafelt | rafelt@boell-sh.de

Bitte bewirb dich ohne ein Foto. Wir arbeiten daran, unsere Räume und Arbeitsbereiche diskriminierungskritisch zu gestalten. Wir begrüßen Bewerbungen von Personen unabhängig von kultureller und sozialer Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion, Weltanschauung, Behinderung oder sexueller Orientierung. Bei gleicher Qualifizierung werden wir im Bewerbungsprozess Personen bevorzugen, die strukturelle Diskriminierungserfahrungen machen. Wenn du dazu Angaben in deiner Bewerbung machen kannst, fällt uns eine Bearbeitung der Bewerbungen leichter.

 

 

Solarparty in Basedow – Solar feiern & Menschen inspirieren!

Sabine Kaufmann und Martin Merlitz machen es vor mit ihrer SolarINI Lauenburg

Holzhaus mit Sonne und Banner SolarINI Lauenburg

Beeindruckend, was sie in Ihrem malerisch an Kanal und See gelegenen Haus selbst alles umgesetzt haben. Mehrere PV-Anlagen auf Hausdach  und Carport, ein Lehmgrundofen für Wärme im gesamten Haus, viel Holzbau und eine Ladestation für das eigene E-Auto, die automatisch den Solarstrom in die Autobatterie lädt, sind da nur einige Beispiele. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen sie gerne und so kam Ihnen die Idee zur SolarINI Lauenburg und einer SolarParty.

“Nachdem wir unsere privaten Energiewende- und Klimaschutzprojekte umgesetzt haben, möchten wir unsere Erfahrungen teilen und vor Ort Menschen mit direkter Unterstützung helfen, ihre Projekte zu verwirklichen. Konkret wollen wir unter anderem Menschen beraten, ob und wie sie eine PV-Anlage auf ihr Dach bauen können. Oder ob vielleicht ein Stecker-Solargerät in Frage kommt”, sagt Sabine.

Der Solar-Info-Tag Ende Oktober bei Sabine und Martin wurde ein voller Erfolg. Bei bestem Herbstwetter besuchten rund 50 Menschen ihr Energiewende-Eigenheim und überzeugten sich selbst davon, wie viel Potential die Sonne für das eigene Zuhause hat. Dabei konnten Sabine und Martin Menschen aus der gesamten Region inspirieren. Und damit nicht genug: Eine Sammelbestellung für Steckersolargeräte für 12 Menschen wurde in die Wege geleitet. Mit Wechselrichtern, die über SoliSolar Hamburg bezogen werden, können so nun schon wenige Wochen nach der Solarparty die Anlagen verteilt werden.

So wächst das Netzwerk stetig weiter. Außerdem arbeiten die beiden gerade daran, weitere Quellen in der Region für gebrauchte aber noch funktionstüchtige PV-Module aufzutun. So werden Ressourcen geschont und PV für mehr Menschen erschwinglich. Danke an die engagierten Bewirker*innen Sabine und Martin für so viel Energie und großartiges Engagement für die Energiewende von unten!

Solar-Interessierte Menschen aus der Region Lauenburg können sich gern per Mail an info@solarini-lauenburg.de wenden. Die Website der SolarINI Lauenburg befindet sich aktuell noch im Aufbau.

 

Sharing Economy – Gemeinsam mehr teilen & weniger konsumieren

Bücherschrank

Muss ich etwas wirklich besitzen, um es zu nutzen? Um diese Frage dreht sich das Konzept der Sharing Economy. Mit diesem Ansatz teilen und tauschen Verbraucher*innen Dinge, statt sie neu zu kaufen. Das kann Geld, Platz und Ressourcen sparen und das Gemeinschaftsgefühl stärken. Laut einer Studie der Verbraucherzentrale im Jahr 2015, sind die Deutschen auf jeden Fall bereit zu teilen: 88 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich vorstellen können, selbst Dinge zu verleihen. Wenn auch 79 Prozent davon nur an Personen, die sie kennen (Verbraucherzentrale Bundesverband, 2015).

Gerade Werkzeuge, Geräte für den Garten und den Haushalt und Medien aber auch Autos und Fahrräder werden dabei als besonders geeignet zum Teilen angesehen. Das ergibt auch Sinn, wenn man sich überlegt, dass zum Beispiel eine handelsübliche Bohrmaschine über ihre gesamte Produktlebenszeit hinweg (circa 15 Jahre) insgesamt nur 45 Stunden genutzt wird. Also nur rund 3 Stunden pro Jahr statt den möglichen bis zu 20 Stunden (ausgehend von einer maximalen Gesamtnutzungsdauer der Geräte von bis zu 300 Stunden; Behrendt & Behr, 2000). Jetzt könnte man denken, so viel und oft muss ich halt auch einfach nicht bohren. Aber der Knackpunkt liegt hier woanders: Wer könnte die Bohrmaschine in der Zeit noch alles nutzen, in der sie bei mir einfach nur im Schrank liegt? Die Idee des Tauschens und Teilens ist hier alt und in unserer kapitalistisch geprägten und neukauforientierten Gesellschaft wieder innovativ zugleich.

Nun ist es nicht unüblich, dass sich an diesem Punkt Unternehmen einschalten, um Sharing Angebote im großen Stil für die Verbraucher*innen zu schaffen. Die bekanntesten und beliebtesten Beispiele dürften hier Car- und BikeSharing aber auch das Teilen von Wohnungen und Unterbringung sein, z.B. via AirBnB. Auch wenn sich dadurch grundsätzlich ressourcenschonende und je nach Organisationsform auch gemeinschaftsbildende Effekte einstellen können, das „ist gar kein Teilen“, kritisiert Historikerin Luise Tremel von der Stiftung Zukunftsfähigkeit, wo sie gesellschaftliche Veränderungsprozesse erforscht (zitiert nach Oberhuber, 2016). Das sehen andere Sharing-Economy-Expert*innen ähnlich. Die kommerzialisierte Tauschökonomie ist mindestens fragwürdig, da hier der (Kauf-)Markt eigentlich nur um temporäre Benutzerrechte erweitertet wird, die ja aber ebenfalls verkauft werden. Weitere Problematiken, wie die Verdrängung von bezahlbaren Mietwohnungen durch profitablere kurzfristige Vermietungen via AirBnB haben wir wahrscheinlich alle schon einmal gehört. Aber wie funktioniert denn nun ‚richtiges‘ Tauschen und Teilen?

Aussenansicht des Leila Flensburg

Außenansicht Leila Flensburg (Quelle: Leila Flensburg e.V.)

Zum Beispiel ganz einfach mal bei Freund*innen oder in der Nachbarschaft fragen. Oder mit Tausch- und Leihorten für die Gemeinschaft wie Bibliotheken, Leihläden und Verschenk- und Tauschschränken.  Dieser Idee hat sich auch der „Leila“ in Flensburg verschrieben. Gegen einen kleinen monatlichen Beitrag können Mitglieder des Vereins sich alle Gegenstände im Leihladen in der Innenstadt von Flensburg ausleihen. Werkzeuge, Campingausrüstung oder besondere Küchengeräte, hier findet sich alles, was man eben nur manchmal braucht. Der Monatsbeitrag kann selbst gewählt werden und Menschen mit wenig Geld werden mit einem solidarischen Beitrag unterstützt.

Ein Leihladen oder auch eine „Bücherei der Dinge“ kann von einer eigenständigen Gruppe oder Organisation getragen werden oder das Angebot einer bestehenden Einrichtung wie z.B. einer Bücherei oder eines Umsonstladens ergänzen. Auch die Ausleihkonzepte variieren. So gibt es z.B. Mitgliederläden wie beim Leila oder Konzepte mit Leihgebühren. 2010 eröffnete der erste Leihladen in Berlin. Seitdem wächst die Zahl der Leih-Angebote in Europa stetig. Laut Leihladen Vernetzung gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende November 2022 schon über 30 Leihläden.

Wir haben auch eine Podcast Folge mit dem Leila Flensburg produziert. Wie funktioniert das Konzept? Was sind die Herausforderungen? Und ist ein Leihladen auch in meiner Gemeinde möglich? Hört mal rein für Antworten!

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Aber es kann auch noch viel niedrigschwelliger funktionieren. Ein Tauschschrank für Bücher und anderes an einem öffentlichen Ort der Gemeinde oder in der Nachbarschaft aufzustellen schafft Anreize, Austausch und Möglichkeiten, aussortierte Besitztümer zum Tausch anzubieten. Beeindruckend zeigt auch der Kieler Kreisel, das mithilfe von Kleidertauschpartys und einer Facebook- und Whatsapp-Gruppe eine große Community entstehen kann. Hier werden bereits seit über 10 Jahren fleißig Dinge und Hilfe getauscht, verschenkt und verliehen.

Vielleicht gilt es also hauptsächlich die Nachbarschaft, das eigene Viertel oder die Gemeinde zu (re)aktivieren. Mithilfe einer einfachen Messenger Gruppe oder auch Portalen wie zum Beispiel www.nebenan.de ist das heutzutage digital schnell gelöst. Hier kann man sich registrieren, sich gegenseitig Hilfe anbieten, Dinge verschenken aber auch gemeinsam Feste organisieren. Doch auch der gute alte Aushang am schwarzen Brett im Miets- oder Gemeindehaus kann ein guter Start sein. Frei nach dem Motto: Hier gibt es etwas zu leihen, komm(t) vorbei! Ganz nebenbei lernt man auch noch die Menschen kennen, neben denen man lebt. Und vielleicht entsteht sogar eine neue Gemeinschaft. So macht tauschen, teilen, schenken und gemeinsam die Wirtschaft revolutionieren doch Spaß.

 

Quellen & weitere Informationen

Verbraucherzentrale Bundeszentrale, 2015: Infografiken zur Sharing Economy

Behrendt & Behr, 2000

Artikel „Gutes Teilen, Schlechtes Teilen“ von Nadine Oberhuber (ZEIT, 19.07.2016)

Übersicht der Leihläden im D-A-CH Raum von Leihläden Vernetzung

 

SoLaWi – Solidarische Ernährung mit Ursprung in Schleswig-Holstein

„Die Lebensmittel verlieren ihren Preis und erhalten so ihren Wert zurück“, so fasst es Wolfgang Stränz vom Buschberghof zusammen. Das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft ist in unserer komplexen Zeit der multiplen Krisen bestechend einfach: Mitglieder einer Solidarischen Landwirtschaft tragen gemeinschaftlich die Kosten und die Risiken des Betriebs, im Gegenzug erhalten sie den Ernteertrag. Solidarische Landwirtschaft – kurz: SoLaWi – bietet in Zeiten verschwindend geringer Gewinne für vor allem kleine landwirtschaftliche Betriebe die Sicherheit eines planbaren Einkommens. Verbraucher*innen  können mit dem solidarischen Prinzip aus dem Markt ausbrechen und sich gemeinsam mit lokalen Bauernhöfen selbst versorgen. So machen sich ein Stück unabhängig von der Preispolitik großer Supermarktketten und Lebensmittelgroßhändler. Schon aufgrund der Logik des Prinzips aber auch aus ideologischen Gründen kommen die Lebensmittel direkt aus der Region und sind nur saisonal verfügbar, häufig zusätzlich auch in bester Bio-Qualität angebaut.

Weitere Erläuterungen dazu, was solidarische Landwirtschaft ist und wie sie funktioniert, gibt es im Erklärvideo des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft.

Bild: Netzwerk Solidarische Landwirtschaft / Kattendorfer Hof

Die solidarische Landwirtschaft hat ihren Ursprung in den 1960er Jahren in Japan. Ein Jahrzehnt später wurde sie auch in der Schweiz umgesetzt. Die Kooperative „Les Jardins De Cocagne“ gründete die erste SoLaWi in Europa, die auch als solche bezeichnet wurde. Auch in den USA fand das Prinzip der „Communty Supported Aggriculture“ (CSA) Anklang. In Deutschland ist die Geschichte der SoLaWi fest mit Schleswig-Holstein verbunden, da die beiden ersten solidarischen Hofgemeinschaften Deutschlands in diesem Bundesland entstanden. Mit dem Kattendorfer Hof (in Kattendorf bei Kaltenkirchen) seit den 1980er Jahren und den Buschberghof seit 1988 (Fuhlenhagen, westlich von Hamburg) startete die solidarische Bewegung in SH. Beide Betriebe entwickeln sich stetig weiter und haben Bildungsangebote und soziale Konzepte ins Leben gerufen. So wirtschaftet der Buschberghof biologisch-dynamisch, verfügt über eine eigene Meierei und Backstube und bietet eine Nutztier-Arche sowie eine sozialtherapeutisch begleitete Lebens- und Arbeitsgemeinschaft für Menschen mit verschiedenen psychischen und seelischen Erkrankungen oder Behinderungen. Der Demeter-Betrieb Kattendorfer Hof bietet eine Vielzahl an Hofläden in der näheren Umgebung an und beliefert eigens dafür gegründete „Food Coops“ in den umliegenden Orten.

Heute gibt es Formen der solidarischen Landwirtschaft überall auf der Welt. Europaweit waren es 2015 bereits über 6.300 Betriebe mit über 1 Mio Mitgliedern, heute dürften es deutlich mehr sein. Das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft listet aktuell 410 SoLaWis in Deutschland plus 98 in Gründung (Stand 27.09.2022). In Schleswig-Holstein sind aktuell 16 SoLaWis gelistet sowie 6 weitere in Gründung. 2011 zählte das Netzwerk deutschlandweit nur 12 Betriebe, im Mai 2019 waren es bereits 244. Mit nun über 400 hat sich die Zahl der solidarischen Betriebe in den letzten dreieinhalb Jahren fast verdoppelt, Tendenz weiter steigend.

Solidarische Ernährung und die Unterstützung lokaler Bio-Bauernhöfe liegt also im Trend. Dieser Aufschwung macht Hoffnung. Eine nachhaltige, gemeinschaftliche Versorgung mit ökologisch angebauten Lebensmitteln ist möglich und wir an vielen Orten in Deutschland bereits gelebt! Du möchtest Teil einer SoLaWi in deiner Nähe werden? Dann schau auf der Karte des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft vorbei! Auch Lebensmittelkooperativen oder Food-Coops können eine tolle Möglichkeit sein, Lebensmittel gemeinschaftlich zu beziehen.

Es gibt in deiner Umgebung noch keine SoLaWi? Dann gründet eine! Hilfreiche Hinweise, Kontakte und einen Leitfaden dazu findet ihr in unserer Werkstatt im Baukasten. Auch bei unserem digitalen Community-Klönschnack „Solidarisch isst es sich besser“ am 11.10.2022 ab 19 Uhr dreht sich alles um gemeinschaftliche Lösungen zur klimafreundlichen Ernährung. Stefanie Schulze-Schleithoff vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft berichtet von ihren Erfahrungen und steht euch Rede und Antwort zu Euren Fragen rund um SoLaWis & Co.

Und auch in unserer ersten Podcast Folge geht es um Solidarische Landwirtschaft. Hört mal rein!

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Quellen:

Netzwerk Solidarische Landwirtschaft – Liste der SoLaWis

Landwirtschaftskammer NRW

Websites Buschberghof & Kattendorfer Hof

Studie zu Solidarischer Landwirtschaft von der AG SoLaWi an der Goethe Universität Frankfurt (2013) 

bewirk, ausgezeichnet! Als Projekt Nachhaltigkeit 2022

Wir haben gewonnen! Die Initiative bewirk ist stolze Preisträgerin des Projekt Nachhaltigkeit 2022, dem Wettbewerb für Zukunftsgestaltung mit Leidenschaft, in der Kategorie N – Jetzt & Vor Ort. Der Nachhaltigkeitspreis wird seit 5 Jahren von den vier Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) unter dem Dach des Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit verliehen.

In der Kategorie N wurden Menschen gesucht, die den Nachhaltigkeitsgedanken leben, anpacken und vor Ort Initiative zeigen, um globale Herausforderungen auf regionaler und lokaler Ebene zu lösen. bewirk ist eines von 4 ausgezeichneten Projekten aus der Kategorie N, die im Raum von RENN Nord vergeben wurden. Weitere Preisträger*innen waren das digitale Bildungsprogramm rund um Digitalisierung für Lehrer*innen Technucation@School aus Hamburg, das nachbarschaftliche und ökologische Bau- und Wohnprojekt Queerbeet in Lüneburg und Jonte Mae aus Bremen mit seinen Naturschutz2Go Blumensamenautomaten. Herzlichen Glückwunsch auch an diese tollen Projekte!

Am Freitag, den 16. September 2022, durften wir im Wälderhaus in Hamburg den Preis entgegen nehmen. Außerdem gab es bei der Vernissage zur Ausstellung COALSCAPES beeindruckende Drohnen-Fotografien von Julius Schrank, Lucas Wahl und Florian Manz rund um ökologische und soziale Veränderungen in Kohlerevieren zu sehen. Die Ausstellung kann noch bis Januar 2023 im Wälderhaus besucht werden. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine spannende Panel-Diskussion rund um „Suffizienz-Strategien für Hamburg.

Es ist schön, dass unsere Arbeit unter dem Motto „Jetzt & Vor Ort“ ausgezeichnet wurde. Das zeigt uns, dass wir einen richtigen Ansatz gewählt haben, um Engagierte in Schleswig-Holstein zu unterstützen, und sie ins Handeln zu bringen. Das Team freut sich sehr über diesen Preis und teilt die Auszeichnung gern mit allen Ehrenamtlichen und Bewirker*innen, die sich in ihren Gemeinden vor Ort fürs Klima stark machen und aktiv werden!

Wir danken auch unseren Kooperationspartner*innen für die Unterstützung und der Deutschen Postcode Lotterie für die großzügige Förderung, ohne die es „bewirk – Gemeinsam fürs Klima“ nicht geben würde.

Ab September gibt’s bewirk auch auf die Ohren!

Es kommt etwas Großes auf euch zu: unser Podcast „bewirk was“ kommt!

Mit dabei sind viele tolle Projekte zum Nachmachen! Unsere Bewirker*innen erzählen euch, was es braucht um das eigene, nachhaltige Projekt zu starten.

Wir freuen uns schon auf die vielen spannenden Geschichten rund um den Klimaschutz von Mobilität über Konsum und Ernährung bis hin zu Energiewende. Hier ist für alle was dabei!

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Falls ihr schon etwas stöbern wollt, in unserer Schule findet ihr bereits viele spannende Projekte zu den einzelnen Themenbereichen!

 

Unsere 1. Ideenwerkstatt in Sankt Peter-Ording – ein Rückblick

Wir waren mit unserer ersten Klimawende-Werkstatt in St. Peter-Ording! Die Veranstaltung lief unter der Frage: Was können wir gemeinschaftlich tun, um uns über den Einsatz erneuerbarer Energien zukunftsfähiger aufzustellen und etwas für die notwendige Energiewende zu tun? Gemeinsam mit Experten von EnergieManufaktur Nord und der BürgerSolarBeratung aus Hürup entwickelten 10 engagierte St. Peterianer*innen am 17. Juni in einem angeleiteten Workshop konkrete Ideen für die kommunale Energie- und Klimawende in ihrer Gemeinde.

Dipl.Ing. Peter Bielenberg von der „EnergieManufaktur Nord“ hielt einen Vortrag über die Möglichkeiten des Einsatzes erneuerbarer Energien im Bestand vor Ort und die zahlreichen zur Verfügung stehenden Fördermittel. Er unterstrich, Gemeinwohl sei das Rezept für die Zukunftsfähigkeit von Gemeinden und die Hauptzutat gemeinschaftliches Handeln zum Wohle unserer Mitmenschen und Umwelt. Praktische Tipps rund um das Thema Photovoltaik und das Projekt BürgerSolarBeratung gab es von Christoph Thomsen von „Boben op Klima- und Energiewende e.V.“ aus Hürup. Der Verein besteht ausschließlich aus ehrenamtlichen Bürger*innen und lebt gemeinschaftliche Klimawende mit vielen erfolgreichen Projekten vor.

„Es war ein sehr inspirierender und motivierender Abend mit vielen praktischen Tipps und Anregungen für die nächsten Schritte Richtung kommunaler Energie- und Klimawende in SPO,“ sagt Teilnehmer Ralf Otzen aus St. Peter Dorf. Einige Ideen, wie eine BürgerSolarBeratung für St. Peter-Ording und die Identifikation von großen öffentlichen Verbrauchern für ein mögliches Wärmenetz, werden nun vor Ort weiterverfolgt. bewirk unterstützt sie dabei mit zahlreichen Angeboten, wie einer Projektberatung und einem Aktionsfonds. Ihr möchtet dabei sein? Dann melden Euch sich gern bei Andrea Gummert-Weist und Hagen Goetz vor Ort (E-Mail an vorstand@gruene-spo.de) oder schreibt an bewirk@boell-sh.de und wir vernetzen Euch mit Engagierten in Eurer Gemeinde!

Die bewirk Veranstaltungen in St. Peter-Ording finden auf Initiative der Grünen SPO und mit freundlicher Unterstützung des Strandgut Resorts statt.

Ihr möchtet eine Klima-Aktion in Eurer Gemeinde starten? Wir kommen mit bewirk auch zu Euch vor Ort und unterstützen Euch dabei. Schreibt uns einfach eine Mail!

Wie wir unsere Geschichten neu erzählen müssen.

Klima-Kommunikation mit Torsten Schäfer

Klimakatastrophe mit gutem Ausgang? Manchmal fällt es schwer sich eine Zukunft ohne ökologischen Kollaps vorzustellen – doch das muss sich ändern, findet Dr. Torsten Schäfer. Als Professor für Journalismus und Textproduktion an der Uni Darmstadt, forscht er mit seinen Studierenden zu dem, was er spielerisch die „Sprache des Klimawandels“ nennt. Gemeint sind Techniken und Kommunikationsarten für Medienschaffende, die ein Bewusstsein für nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel schaffen sollen.

„Nachhaltigkeit ist eine Dimension, die sich über alles legt.“

„Die Art wie wir Einzelthemen im Haus der Nachhaltigkeit betrachten, muss angereichert und um viele Perspektiven erweitert werden“ so Schäfer. Die Berichterstattung zum Thema Klimawandel und Artensterben gehe häufig von überholten Modellen aus. So wird beispielsweise das Modell des „Nachhaltigkeits-Dreiecks“, in dem Umwelt, Soziales und Wirtschaft gleichberechtigt erscheinen, teilweise heute noch nachkommenden Journalist*innen gelehrt. Dies sei falsch, veraltet und im Prinzip sogar gefährlich. Woran das liegt wird er nicht müde zu erklären: dem Erdhaushalt sind planetare Belastungsgrenzen gesetzt und diese sind in bestimmten Bereichen bereits katastrophal, in anderen zumindest kritisch belastet. Moderne Modelle nehmen eben diese Grenzen als Bezugsraum: nur unterhalb dieser ökologische Decke kann Raum für wirtschaftliches und soziales Handeln existieren. Darüber eben nicht, weil es der Planet schlichtweg nicht zulässt. Das sei die Maßgabe heute. Davon ausgehend muss sich auch die Klimaberichterstattung anpassen.

„Unsere Narrative müssen sich verändern.“

Der Mensch erzählt sich als soziales Wesen seit Beginn seines Seins gegenseitig Geschichten. Selbst steinzeitliche Höhlenmalereien seien nicht anderes als das, was heute Storytelling genannt wird, so Schäfer. Nicht selten steckt in diesen weitergereichten Geschichten eine Botschaft, ein sog. Narrativ, die im besten Falle ihren Zuhörer vor etwas Schädlichem bewahren soll.

So harmlos die Vorstellung einer kleinen Geschichte, die sich Menschen erzählen auch ist, so immens können ihre Folgen sein. Nicht selten unterstützen verhärtete Narrative Vorurteile, Angst und sind mindestens mit Vorsicht zu betrachten. Wie nun umgehen, mit einem Klimanarrativ, das zeitweilig zwischen dem raschen Ende allen Lebens und der totalen Klimawandelleugnung schwankt? Die Antwort liegt laut Dr. Schäfer in der „Klimapsychologie“.

Alarmismus vs. Tacheles

„Die menschliche Wahrnehmung ist nicht im Stande das Klima als 30-Jahre-Mittelwert zu spüren“, sagt Torsten Schäfer. Menschen können nur begreifen, was sie greifen können und demnach wird die Klimakrise nicht vom Schreibtisch aus verstanden. Wie kann eine Bedrohung nahegelegt werden, die naturgemäß nicht nahe liegt? Es reiche nicht aus Alarm zu schlagen und Menschen, mit der im besten Falle empirisch-wissenschaftlichen Datenmenge einer nahenden Katastrophe, zu überfordern. Der weltweite Klimawandel wird in Deutschland vergleichsweise spät zu spüren sein, weshalb ein Alltagsbezug für Viele gleichermaßen spät einsetzen wird. Auch ist ihre supranationale Natur schwer zuzuordnen (wie im Alleingang die Welt retten?) und gut gemeinte Apelle treffen aufgrund ihres erhobenen-Zeigefingercharakters gerne auf Ablehnung.

Hier sieht Schäfer einen Ansatzpunkt und wünscht sich eine Kommunikation, die von Vorbildern spricht, statt den Schuldigen zu suchen. Menschen müssen verstehen, dass es um einen Gewinn an Lebensqualität gehen kann, nicht nur um Verzicht. Wir müssen Lösungen, Erfolge und Möglichkeiten in den Fokus unserer Kommunikation setzen, nur so kann vermittelt werden, welch enormes Potential sich aus einem verhinderten Klimakollaps ergeben kann. Wenn wir schaffen eine Geschichte über eine wünschenswerte Zukunft zu schreiben, kommen wir ihr gesamtgesellschaftlich gewiss ein Stückchen näher. Der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl eines Jenen, der die Geschichtenschreiber von morgen ausbildet, lässt Gutes hoffen.

Wer sich den Vortrag von Torsten Schäfer zum Thema „Klimageschichten als kulturelles Instrument“ anschauen möchte, kann das ab jetzt HIER in unserem bewirk Kino. Hier findet ihr neben diesem erstklassigen Vortrag noch viele weitere spannende Impulse aus unserer Webinarreihe „bewirk – Gemeinsam fürs Klima“. Reinschauen lohnt sich!

Text von Hendrik Hunfeld

Wenn schon Wind, dann Bürger*innen-Windparks

Windenergie ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Aber wie können wir als Bürger*innen daran teilhaben? Eine Lösung sind sogenannte Bürger*innen-Windparks. Diese Windparks werden „von den Bürger[*innen] der Region selbst in Form einer Gesellschaft betrieben“ (EE.SH, 2019). Möglichst alle betroffenen Anwohner*innen sollen beteiligt werden. Bürger*innen-Windparks tragen zu einem gerechten Ausbau der erneuerbaren Energien bei und ermöglichen den Bezug von lokalem grünem Strom.

Diese Art von Windparks sind häufig genossenschaftlich organisiert. In Schleswig-Holstein gibt es dazu schon einige Erfolgsgeschichten. Laut EE.SH haben beispielsweise in Nordfriesland die Anwohner*innen der umliegenden Gemeinden Anteile an bereits über 90 Prozent der Windparks. Auch wenn z.B. langwierige Genehmigungsprozess Hürden darstellen können, setzt sich das Konzept immer mehr durch. Meist sind die Gesellschaften direkt am Gemeinwohl in der Gemeinde orientiert.  Ein Beispiel ist der Bürger*innen-Windpark Süderdeich, dessen Stiftung „Kinder des Windes“ soziales Engagement für die Region leistet.

Dich interessiert das Thema? Du möchtest dich in deiner Gemeinde für einen Bürger*innen-Windpark einsetzen? Dann komm mit deinen Fragen am 10.05. von 19 bis 20.30 Uhr zu unserem digitalen Community-Klönschnack „Wenn schon Wind, dann ein Bürger*innen-Windpark“ mit dem Bürgerwindpark Süderdeich und Rechtsanwältin Frederike Wriedt. Wir bitten um Voranmeldung an bewirk@boell-sh.

Was bedeutet lokaler Klimaschutz für uns?

Das Klima der Erde verändert sich in den letzten Jahrzehnten sehr schnell. Ursache für diesen beschleunigten Klimawandel sind zum großen Teil wir Menschen. Durch unsere Lebensweise stoßen wir sehr viel mehr Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan und Lachgas aus, als vor der Industrialisierung. Das führt zur globalen Erderwärmung. Und diese wirkt sich in unterschiedlichen Bereichen aus: der Meeresspiegel steigt, es gibt Hitzewellen und Dürren, Starkregen und Überschwemmungen, Krankheiten breiten sich anders aus, die Jahreszeiten verschieben sich, und noch vieles mehr.

Damit diese Folgen des Klimawandels nicht zu drastisch werden, müssen wir das Klima schützen. Das heißt, wir müssen vor allem darauf schauen, den Ausstoß der Treibhausgase einzudämmen. Das geht am besten dort, wo man lebt – also vor Ort – und in Gemeinschaft. Deswegen ist es uns wichtig, Klimaschutz nicht nur als globales Thema und politische Verantwortung „der da oben“ zu verstehen. Wir alle können für den Klimaschutz direkt vor unserer Haustür aktiv werden. Deswegen heißt es bei uns: Gemeinsam fürs Klima!

Nach der Webinarreihe geht‘s weiter mit Netzwerktreffen

 

Vor zwei Jahren fand das letzte Netzwerktreffen der Energiebürger.SH statt. Damit das Netzwerk aktiv bleibt und wachsen kann, gibt es zum Abschluss unserer erfolgreichen Webinarreihe am 1.3. um 19 Uhr einen Klönschnack.

Dort habt ihr endlich wieder Gelegenheit, euch auszutauschen, gegenseitig zu beraten und zu vernetzen. Mit dabei sind Wilhelm Borcherding und Brigitte Petersen des Bürgerwindparks Süderdeich und der dazugehörigen Stiftung „Kinder des Windes“. Sie haben in Süderdeich einen Bürgerwindpark gegründet und vermarkten ihren grünen, regionalen TOP-Strom. Die Gewinne, die mit der Windenergie erzielt werden, fließen in gemeinnützige Projekte der Stiftung, so dass alle vor Ort profitieren. Die Stiftung Kinder des Windes fördert Jugend, Bildung und Erziehung in der Region Wesselburen und Umland, sowie in Heide und Büsum. Damit gelingt es ihnen, Bürger*innen für die Ideen einer Energiewende zu mobilisieren. Weitere Erfahrungen, Tipps und Ideen werden sie beim Klönschnack mit uns teilen.

Der Klönschnack ist offen für alle Interessierten und wird online über Zoom stattfinden. Wir bitten um Voranmeldung an bewirk@boell-sh.de.

Auftakt zur Webinarreihe: bewirk – Wir gemeinsam vor Ort fürs Klima!

Viele Video-Kacheln auf einem bunten Hintergrund. Unten links eine Schatztruhe. Bewirk Logo und Text: Webinare getartet

Gut gelaunt und mit großem Interesse der Teilnehmenden begann am Dienstag, 18.01.2022, die sechsteilige Webinarreihe: bewirk – Wir gemeinsam vor Ort fürs Klima!

Zum Auftakt fanden knapp 35 Teilnehmer*innen den Weg in den virtuellen Seminarraum und wie eine kurze Umfrage zu Beginn ergab, durften wir auch viele Teilnehmenden begrüßen, die Mittel- und Süddeutschland ihr zu Hause nennen. Eine kleine aber willkommene Überraschung, bedenkt man den Ursprung des bewirk – Projekts: die Energiebürger Schleswig-Holstein.

Ziel der Reihe ist es die Rahmenbedingungen für Bürgerenergie in Deutschland kennenzulernen und damit verbunden die Chancen und Hemmnisse für eine Realisierung vor Ort einschätzen zu können. Die Lust auf „das wollen wir auch“ zu stärken und die Erkenntnis „das können wir auch“ zu entwickeln ist dabei das Hauptaugenmerk.

Dr. Tobias Bayr, Mitarbeiter des Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) und aktiv bei „Scientists for Future“, hielt das erste Impulsreferat und brachte die Teilnehmer auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Forschung im Bereich Klimawandel. Insbesondere der Blick auf mögliche Kipppunkte des globalen Klimas und auf die immer kürzer werdenden Zeitachsen des möglichen Gegensteuerns verdeutlichten einmal mehr die Dringlichkeit der Aufgabe vor der die Menschheit steht. Ein notwendiger, aber Angesichts der Größe der Aufgabe auch ein durchaus bedrohlicher und einschüchternder Ausblick. Daher wurde die den Vortrag abschließende Rezitation von Konfuzius durch Dr. Bayr auch von vielen Teilnehmenden mit Dankbarkeit aufgenommen: „Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.“

Dr. Kerrin Trimpler von der Klimaschutzagentur (gGmbH) des Kreises Rendsburg-Eckernförde stand nun vor der Aufgabe zu zeigen, wie man vor Ort dieses kleine Licht anzünden kann. Sie den Teilnehmenden näher mit welchen Initiativen Bund, Länder und speziell die Kommunen den Klimaschutz unterstützen und voranbringen. Durch den Einblick in die Arbeit der Kommunen und dem Vorstellen von bereits erfolgten Projekten, veranschaulichte Dr. Trimpler, dass der Schritt zum eigenen, lokalen Klimaprojekt kleiner ist, als es auf den ersten Blick vermeintlich erscheinen mag. Außerdem gibt es viel Hilfe für diejenigen , die danach suchen.

Danach (und begleitend im Chat) war Zeit für die Teilnehmer*innen des Seminars ihre Fragen an die Referent*innen zu stellen. Angeleitet durch die charmante und souveräne Moderation von Doris Lorenz, kam es so schnell zu einem regen Austausch zwischen Referent*innen und Teilnehmenden, sowie den Teilnehmer*innen untereinander. Dieser Austausch wurde später fortgesetzt und vertieft, als die Teilnehmenden in zufällige, kleine Gruppen gewürfelt wurden. Die Möglichkeit sich auch in einem etwas kleineren Rahmen auszutauschen und auch kennen zu lernen wurde von vielen Teilnehmenden mit Freude genutzt und die zugewiesene Zeit als eher zu kurz als zu lang wahrgenommen.

So gingen die zwei Stunden auch schnell vorbei und angesichts der vielen spontanen und vor allem positiven Rückmeldungen kann von einem rundherum gelungenen Abend gesprochen werden.

In den folgenden Webinaren wird dann weiter vertieft werden, was für den Aufbau von lokalen Klimaschutzprojekten gebraucht wird, wie man sie in Angriff nimmt und bestenfalls zu dauerhaften Institutionen vor Ort macht, von denen alle ,nicht nur das Klima, profitieren.

Alle, die jetzt gern selbst an den Webinaren teilnehmen würden, sind herzlich willkommen sich für unser digitales Wochenendseminar „bewirk – Wir gemeinsam vor Ort fürs Klima!“ anzumelden! Am 26. und 27. März 2022 finden die kostenlosen Webinare jeweils von 10 bis 18 Uhr statt, mit denselben Themen und Impulsgeber*innen. Weitere Informationen gibt es hier.

Text von David Manthey

Wir verabschieden uns als „Energiebürger.SH“

…und sagen Moin! als „bewirk – Gemeinsam fürs Klima“. Zwei Beweggründe haben uns dazu veranlasst, uns von dem liebgewonnenen Namen und Logo der „Energiebürger.SH“ zu verabschieden: Zum einen wollen wir gendergerechter werden und zum anderen wollen wir den Klimaschutz vordergründig nicht länger auf die Energiewende verkürzen. Jetzt sind wir die Initiative „bewirk – Gemeinsam fürs Klima“ und freuen uns über neue und alte Mitstreiter*innen. Alles, was bisher auf der energiebuerger.sh-Webseite war, findet ihr nun hier auf der neuen bewirk.sh-Webseite.

Das Handbuch „Klimaschutz Schleswig-Holstein“ ist da!

Um die regionalen Besonderheiten und notwendigen individuellen Maßnahmen zu adressieren, haben wir als Heinrich-Böll-Stiftung SH gemeinsam mit Mehr Demokratie Schleswig-Holstein das Handbuch „Klimaschutz Schleswig-Holstein“ herausgegeben. Das Handbuch bietet einen umfangreichen und anschaulich gestalteten Einblick über die Möglichkeiten, wie das Bundesland zum Erreichen des 1,5 Grad Ziels beitragen kann. Es werden sowohl die Ausgangslage als auch die Rahmenbedingungen beleuchtet und daran anschließend die Maßnahmen für einzelne Bereiche wie Landwirtschaft oder Energieversorgung vorgestellt, die nötig sind, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Für Schleswig-Holstein spielen hier besonders die Landwirtschaft und die Bodennutzung eine Rolle, die gemeinsam für 32% der Emissionen verantwortlich sind. Das Handbuch zeigt übergreifende Maßnahmen auf und ermöglicht so einen umfassenden Überblick über die notwendigen Schritte im Bereich Klimaschutz im regionalen, bundesweiten und nationenübergreifenden Kontext.